Klemo in der PGS: Stellungnahme der FG Motorrad

Seit letztem Jahr darf der vierstündige PGS-Kursteil 3 auch mit Klemo absolviert werden. Die Fachgruppe Motorrad hat sich mit der daraus erwachsenden Herausforderung befasst.

Bis Ende 2020 mussten mit Kleinmotorrädern (Klemo: Höchstgeschwindigkeit 45 km/h, Hubraum maximal 50 ccm oder Leistung 4 kW) die Kursteile 1 und 2 der praktischen Grundschulung für Motorrad-Fahrschüler/innen (PGS) mit einer Gesamtdauer von acht Stunden besucht werden. Seit Anfang 2021 dauert die aus drei Kursteilen bestehende PGS für die Kategorie A und die Unterkategorie A1 (zu welcher auch die Klemo zählen) einheitlich 12 Stunden und muss einmalig besucht werden. Im Zuge dieser Neuerung darf der vierstündige PGS-Kursteil 3 auch mit Klemo absolviert werden. Die einschlägigen rechtlichen Grundlagen finden sich in der Verkehrszulassungsverordnung (Art. 19 VZV) und in den «Weisungen vom 24.09.2020 betreffend die praktische Motorrad-Grundschulung» des Bundesamts für Strassen (ASTRA).

Bei der PGS handelt es sich «nur» um eine Grundschulung

Die Fachgruppe Motorrad des Schweizerischen Fahrlehrerverbands (SFV) hat im vergangenen Jahr erste Erfahrungen gemacht. Dabei hat sich gezeigt:

  • dass das Organisieren und Durchführen des PGS-Kursteils 3 mit Personen, die mit einem Klemo an diesem Kursteil 3 teilnehmen, zwar anspruchsvoller, aber machbar ist.
  • Es hat sich dabei ebenfalls gezeigt, dass die Personen, welche die PGS mit einem Klemo besuchen, in der Regel 15 Jahre alt sind. Die Fachgruppe Motorrad und der Schweiz. Fahrlehrerverband sind der Auffassung, dass es äusserst sinnvoll ist, wenn gerade diese 15-Jährigen bereits mit der sicheren Fahrzeugbedienung in allen Situationen, der Gefahrenlehre sowie der umweltschonenden und energieeffizienten Fahrweise (Bestandteile des dritten PGS-Kursteils) im Hinblick auf eine unfallfreie Verkehrsteilnahme und ihre allfällige weitere «Motorradkarriere» vertraut gemacht werden können.

Bei alldem darf nicht vergessen werden, dass es sich bei der PGS «nur» um eine Grundschulung handelt. Will heissen: Insbesondere (aber nicht nur!) die mit einem Klemo an der PGS teilnehmenden Personen sollten unbedingt dafür sensibilisiert werden, beim Aufstieg zu einem schnelleren und leistungsstärkeren Motorrad zusätzlichen Unterricht (Haupt- und Perfektionsschulung) bei einer/m Motorrad-Fahrlehrerin/-Fahrlehrer zu besuchen.

Die Herausforderung stellt sich bei PGS-Kursteil 3

Die Fachgruppe Motorrad ist sich weitgehend einig darin, dass das Absolvieren des Kursteils 1 der PGS mit Klemo in gemischten Gruppen problemlos ist, da dieser auf dem Platz stattfindet.

Kursteil 2 der PGS kann ebenso problemlos mit Klemo besucht werden, da in diesem hauptsächlich mit Innerorts-Geschwindigkeit gefahren wird und es sich von der Leistung her in etwa gleich verhält wie mit einem Motorrad (50 ccm und ohne Geschwindigkeitsbeschränkung) der Unterkategorie A1 mit Sozius.

Die Herausforderung stellt sich vor allem bei Kursteil 3 der PGS: Es ist offensichtlich, dass hier vorzugsweise nicht gemischte Gruppen mit Klemo-Teilnehmenden und Teilnehmenden mit einem Motorrad (125 ccm) der Unterkategorie A1 oder einem Motorrad der Kategorie A (beschränkt oder unbeschränkt) gebildet werden sollten. Vielmehr sollte bei der Gruppenzusammensetzung darauf geachtet werden, dass Personen, welche die PGS entweder mit einem Klemo (45 Km/h, ab 15-jährig) oder mit einem Motorrad (50 ccm ohne Tempobeschränkung, ab 16-jährig) der Unterkategorie A1 absolvieren wollen, gemeinsam und sozusagen separat geschult werden.

Zusammenarbeit ins Auge fassen

Da sich nicht sehr viele Absolvent/-innen in vorgenanntem Segment bewegen, sind Motorrad-Fahrlehrer/-innen aufgerufen, auch die Möglichkeit, sich regional für diese Klientel zusammenzuschliessen und Gruppen zu bilden, zu prüfen.

Und: Bei der Ausschreibung der Kurse ist darauf zu achten, dass PGS-Kursteil 3-Veranstaltungen bedarfsgerecht und regelmässig verteilt angeboten werden können.

Sollte seitens der Mitglieder der Fachgruppe Motorrad ein entsprechendes Bedürfnis bestehen, würde die Fachgruppe soweit gehen und auf Wunsch einen Weiterbildungskurs durchführen, welcher sich mit der Organisation von spezifisch auf Klemo ausgerichteten PGS-Kursen befasst.

«Gerne», so hält Fachgruppen-Präsident Jürg Stalder fest, «möchten wir auch den Fahranfängerinnen und Fahranfängern mit Klemo die Chance geben, zu lernen, wie sie sich sicher im Verkehr bewegen.»

Monitoring bei ausgewählten Motorrad-Fahrlehrern

Der Schweiz. Fahrlehrerverband SFV hat zusammen mit dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) von März bis August 2021 ein Monitoring in der ganzen Schweiz durchgeführt, welches aufzeigen sollte, wie evident die Herausforderung ist. Die Auswertung des Monitorings hat ergeben, dass sich die im Vorfeld geäusserten Bedenken nicht bestätigen lassen. Weder gibt es aufgrund der am 1. Januar 2021 in Kraft getretenen neuen Bestimmungen eine Vielzahl von Personen, welche die PGS mit einem Klemo besuchen, noch sind diese Personen älter als 15-jährig. Zudem sind die in der PGS verwendeten Klemo meistens zweiplätzig, was grundsätzlich auch die Durchführung der Aufsitzübungen ermöglicht.

Aus Sicht des ASTRA besteht zum heutigen Zeitpunkt daher kein Handlungsbedarf, die bestehende Regelung zu überdenken. Das ASTRA beobachtet die Entwicklung betreffend die Teilnahme von Personen mit Klemo an der PGS und punkto Unfalldaten im Zusammenhang mit Klemo sowie von 15- und 16-jährigen Motorradfahrenden aber genau. Im Bedarfsfall würde das ASTRA erneut aktiv.